Bei unserem Besuch des ArtKite Festivals 2000 in Detmold sah ich das 7 Meter hohe Original des Drachenkünstlers Pierre Fabre. Über viele Jahre flog ich eine Kette aus 5 kleineren Nord Sud Drachen mit einem schlichten Design und sehr sehr einfachen Details, die meinem handwerklichen Stand dieser Zeit entsprachen.
Schon lange denke ich über diese neue Variante nach, die schlussendlich auch als progressive Kette am Himmel stehen soll. Hier das mittlere Exemplar mit einer Bauhöhe von rund 3 Metern und ein paar Details die meiner Meinung nach zu diesem Drachen ganz gut passen.
Nord Sud ist übrigens kein Schreibfehler, sondern die französische Schreibweise.
Ursprünglich wollte ich den Drachen 2020 mit nach Cervia nehmen, aber die Coronakrise liess alle Hotels an der Adria ohne Besucher alleine.
Der Kunst von Mark Rothko bin ich zum ersten Mal 1983 als Student in der Modern Tate Gallery in London begegnet, wo die Seagram Buildings Pictures einen in sich abgeschlossenen Bereich des Museums bilden. Die Macht und Ausstrahlungskraft monochromer Bilder wurde mir hier zum ersten Mal so richtig bewusst. In den folgenden Jahrzehnten habe ich Bilder dieses Künstlers in vielen Museen der Welt gesehen, aber nie war der Eindruck stärker als meine erste Begegnung in London.
Heute begegnen einem die Gemälde von Mark Rothko auf Schritt und Tritt. Arztpraxen, Wartezimmer, Sekretariate Flure und Treppenhäuser sind mit Drucken des Künstlers tapeziert. Mit dieser Art der Präsentation sind sie Ihrer Wirkung beraubt.
Meinen Drachen „Sorry Mr. Rothko“ zerreißt eines dieser Bilder im Flug und weist mit dieser Geste auf die Banalisierung der Kunst im Alltag hin.
Wie jedes Jahr im September ruft Michael Steltzer eine Gruppe von Drachenfliegern und Drachenbauern zum internationalen Drachenfest Berlin Brandenburg in den Park in Potsdam. Mit Sicherheit das Fest mit dem besten Service und Komfort für die Drachenflieger und einer sehr schönen Atmosphäre und Stimmung untereinander. Inspiriert von den Herzdrachen von René, die inzwischen einen weltweiten Verbreitungsgrad in hohen Stückzahlen haben und von den Themenwettbewerben in Dieppe, rief Michael 2017 zum ersten Mal ein Motto aus.
Love is in the Air
Alle Beteiligten wurden gebeten zu diesem universalen Thema einen Drachen, eine Aktion oder eine Installation mitzubringen und in das Drachenfest zu integrieren.Ich bin nicht so der "Herzchen-Typ" und habe mir stattdessen zwei korrespondierende Drachen ausgedacht, die symbolisch als verwandte Seelen gemeinsam den Himmel durchziehen. Die Figuren sind so abstrakt gehalten, dass schlußendlich nicht einmal Mann und Frau als Paar auszumachen sind sondern einfach zwei Menschen die zusammen mehr sind als nur die Summe zweier Personen.Im Modell aus Papier lösen sich die Figuren durch einen Schnitt aus dem Segel heraus, das habe ich in den Orginalen noch nicht vollzogen, mal sehen vielleicht riskiere ich es eines Tages.
Im Septrember 2021 habe ich die Drachen nach Cervia zum 41sten Drachenfest von artevento mitgenommen und zusammen an den Himmel gestellt. Ganz herzlichen Dank an Marcus Ertl für die Hilfe beim Start und die Fotos vom Flug.
2014 sollte eigentlich ein Sabbatical von internationalen Drachenfesten werden, da dieses Jahr ganz dem Neubau unseres Wohnhauses in Nagold gewidmet war. Neben meiner Arbeit für das Büro habe ich die Planung, Ausschreibung und Bauleitung für das Haus in meiner Freizeit und an den Wochenenden bewerkstelligt. D a blieb nicht viel Zeit für Drachen.
Als dann aber die Anfrage von Christian Koltz kam, ob ich nicht Teil der deutschen Delegation beim internationalen Drachenfest in Dieppe sein möchte war der Plan schnell Makulatur. Ich wollte unbedingt dieses berühmte Drachenfest einmal besuchen und dabei auch am Designwettbewerb, der unter dem Motto "Lumineszenz" stand teilnehmen. Ergebnis eines familiären Brainstormings, zusammen mit unseren Kindern, war, daß es sicher eine Herausforderung wäre das Leuchten von Tiefseequallen in einem Drachen umzusetzen.
Mein tiefblauer Edo wurde mit randleuchtendem Acrylglas in Form der Tentakeln einer Qualle bestückt und bei strahlendem Sonnenschein und richtig viel Wind war der Effekt der Lumineszenz am Himmel über Dieppe zu sehen. Robert Trepanier rief voller Begeisterung " it glows, it glows". Ich gewann den ersten Preis in der Gruppe der Newcomer und witzigerweise eine Einladung zum Drachenfest nach Cevia, ein Fest dass ich schon seit vielen Jahren besuche.
Der Drachen lässt sich zugegebenermassen nur sehr schlecht transportieren, und fristete deshalb ein Schattendasein im Drachenlager.
Vielen Dank an Florian Janich als Drachenhalter beim Knüpfen der Waage am Strand und beim Fototermin, an Rainer Hoffmann für die Starthilfe beim Wettbewerb und an Helmut Hofmann für das Foto der fliegenden Meduse.
Paul Reynolds aus London, Kommentator englischer Drachenfeste und legendärer Auktionator des Cervia Festivals kündigte auf einem Drachenfest in Bristol an, dass es bald einen Designwettbewerb zum Thema „East meets West“ geben würde, dessen Schirmherr das Al Farsi Kite Team aus Kuwait sein sollte. Zu diesem Wettbewerb kam es leider nie, aber die Idee dieses Thema in eine Drachenkomposition umzusetzen hatte sich bei mir festgesetzt.
Ich stellte mir 2 Drachen vor, Ost und West eben, die gemeinsam das ganze Spektrum des Sonnenlichts im Laufe eines Tages abbilden. Als Symbol dass wir alle, egal ob Ost oder West, Nord oder Süd nur eine Erde haben auf der wir zusammen leben und zurecht kommen müssen. Antagonist der Gemeinsamkeit ist die Individualität, dafür stehen die Worte Ost und West in verschieden Sprachen. Die Buchstaben sind auf die Rückseite der Drachen schabloniert und scheinen durch das mit Skytex Acrylfarben gemalte Tuch durch.
Interessanterweise wurden diese Drachen, die mir in ihrer Aussage und Symbolik sehr am Herzen liegen, eher nebensächlich von den Zuschauern und Drachenfreunden wahrgenommen.
Im Sommer 2013 fragte mich Bernhard Dingwerth ob ich nicht Lust und Zeit hätte das Drachenfest in Portsmouth zu besuchen. Die Stadt, der Hafen und die Stimmung unter den Teilnehmern hatte mir schon bei früheren Drachenfesten gut gefallen und da der Edo als der Drachen des Festivals ausgerufen war fiel mir die Entscheidung zur Reise nicht schwer. Nun konnte ich aber nicht schon wieder mit den selben bereits bekannten Drachen aufkreuzen und brauchte dringend einen Neuen. Der Blick in den Fundus des Skizzenbuchs brachte eine alte Idee zum Vorschein, bei der eine Folie von einem Untergrund abgezogen wird und etwas neues zum Vorschein kommt. Die Idee liess sich schnell ausarbeiten und mit minimalem Aufwand in einen Edo mit 3,2 Meter Standhöhe umsetzen, size matters.
Noch am Abend vor dem Abflug habe ich in bedrohlicher Gewitterstimmung eine Waage angeknüpft und den Erstflug erlebte der Drachen dann zusammen mit 30 anderen Edos aus aller Welt in Portsmouth. Nach 2 wundervollen Festivaltagen mit den englischen Drachenfreunden wurde der Drachen, den ich zwischenzeitlich „under the surface“ genannt hatte zum „best kite of show „gekürt. Da war mir auch der Montag morgendliche Strafzettel für 10 Minuten Überzeit in Höhe von 70 Pfund egal. Bernhard hat unbedingt auf einer Teilung bestanden……………..
Anke Sauer hat 2011 den von mir ins Leben gerufenen Fotowettbewerb "reduce to the maximum" gewonnen. Ziel war es, der Bilderflut, die auf FB und allen anderen Medien über uns hereingebrochen ist, eine selbst auferlegte Reduzierung entgegen zu setzen. Mit maximal 8 Fotos sollte eine Stimmung, ein Projekt oder ein besonderes Ereignis, immer in Verbindung mit Drachen, in Szene gesetzt werden.
Anke hat dazu eine Baustudie ihrer einzigartigen Faltedos eingereicht. Sie hat den von mir im Winter 2012 gebauten Edo beim Drachenfest in Cervia erhalten.
Schon seit jeher haben mich analoge Schwarzweiss Negative fasziniert. Als Student habe ich in den 1980er Jahren als Hobby ein kleines Fotolabor betrieben. Durch Belichtung entsteht aus einem Negativ ein Positiv. Wenn das mal nicht eine Analogie auf das Leben, das Universum und den Rest ist.
Die Umsetzung auf Drachen war als Doppeledo gedacht, aber leider blieb es bei einem kleinen Modell im Wohnzimmer. Ich habe nur einen Drachen realisiert und dazu als Umsetzung eines Filmnegativs die sehr anspruchsvolle Materialwahl Cuben und Icarex gewählt. Da beide Materialien nahezu dampfdicht sind war die Verklebung mit Sprühkleber und das Freischneiden der Applikation eine echte Geduldsprobe, die nur durch Zugabe von reichlich Lösungsmittel gelang.
Das Motiv ist eine vergrößerte Filzstiftskizze, die als abstrakte Perspektive einer Architektur mit starker Betonung der Vertikalen zu verstehen ist. Ramlal Tien gab mir den Tipp das Motiv auf den Kopf zu stellen und mich damit von der Maxime " Lighter upwards" zu befreien,
Durch die Besuche in Cervia wurde ich inspiriert, meine Bandbreite in der Gestaltung von Drachen zu erweitern. Die Malerei mit Acrylfarben auf Spinakernylon bietet eine weitere Dimension in der Bearbeitung von Drachensegeln, die mit Texturen, Handwerksspuren, Farbverdichtungen und zusätzlichen grafischen Möglichkeiten Drachen zu Unikaten werden lässt.
Angenehmer Nebeneffekt ist, dass die mühsame und von mir ungeliebte Technik der Applikation bei dieser Art der Gestaltung getrost vernachlässigt werden kann.
Hier einer meiner ersten Versuche, der Drachen schmückt heute das Büro meiner Frau Imke.
Durch einen Kollegen wurde ich auf einen Drachenwettbewerb der besonderen Art aufmerksam gemacht. Architekten und Designer waren aufgefordert unter dem Titel „defy Gravity“ einen Drachen zu entwerfen, zu bauen und sich in einem gemeinsamen Fliegen zu treffen.Die Drachen sollten zusammen in New York fliegen, da die Organisatorinnen junge Absolventinnen der Columbia University NY waren. In einer schlaflosen Nacht war der Drachen erdacht und einige Zeit später auch mit Hilfe eines Sponsors gebaut. Schliesslich waren die Fahrtkosten zum Festival dieses mal ziemlich hoch.
Das Motiv ist eine abstrakte Umsetzung einer Vogelperspektive über New York. Die Rottöne in ihren verschiedenen Schattierungen stehen für die sonnigen und schattigen Seiten der Gebäude, die Netz- und Mylarstrukturen für den Himmel über der Stadt und die Silberfolie für die beiden Flüsse die um Manhattan herum fliessen. Zur Darstellung räumlicher Tiefe habe ich wieder auf ein Doppelsegel zurück gegriffen, das schon beim „sechs Farben Weiss“ eine starke Wirkung erzielt hat.
Ich habe den Wettbewerb gewonnen und damit meinen Drachen für eine Versteigerung zu wohltätigen Zwecken gespendet. Meinen Preis, eine Stadtführung mit den New Yorker Stararchitekten Daniel Libeskind, konnte ich leider nicht entgegennehmen, da wir am Tag nach dem Wettbewerb wieder abgereist sind. Den Drachen den ich noch in meiner Drachentasche habe ist eine 1:1 Kopie des Originals.
Nach dem Drachenfest in Potsdam 2007 hatte ich zusammen mit unserer Tochter Nora noch einen freien Tag, den wir mit Sightseeing in dieser geschichtsträchtigen Stadt verbrachten. Unter anderem erreichten wir dabei Schloss Cecilienhof, jenen Ort an dem die Siegermächte des zweiten Weltkriegs die Teilung Deutschlands in 4 Besatzungszonen beschlossen. Das war wieder einmal so ein Moment, an dem ich über das Thema "das Große Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile" nachdachte.
Die Idee ein Drachenensemble zu entwerfen, bei dem 4 Drachen zusammen eine Einheit bilden, war geboren.
Bei den Deutschen Meisterschaften des DCD in Lünen 2008 gewann ich mit dem Ensemble den Meistertitel in der offenen Klasse.
Vier Drachenfreunde sind notwendig diese Drachengruppean den Himmel zu stellen und auch dabei wurde deutlich dass der Ensemblegedanke nicht nur für die Drachen sondern auch für die Piloten gilt.
In Lünen waren das Florian, Helmut, Jürgen und Ralf.
Auf der wie immer viel zu langen Heimreise vom Drachenfest in Bristol habe ich ein wenig in mein Skizzenbuch gekritzelt. Alles nur schwarzweiss mit einem Filzstift, aber die Idee war von Anfang an bunt. Thema sind die Grundfarben und Ihre Zuordnung zu Geometrie, wie in den 20er Jahren des 20sten Jahrhunderts im Bauhaus in Dessau entwickelt. Zugegeben, rund war mir zu schwierig zu bauen und so entstand der Edo mit dem mehrdeutigen Namen "Durchschnitt". Bereits beim Drachenfest in Lünen 2008 war der Drachen startklar und erhielt einen zweiten Platz bei der DM. Durch das geschweifte Ende ist er ehrlich gesagt kein besonders guter Flieger und fristet eher ein Schattendasein in der Drachentasche.
War mein Beitrag zur Deutschen Meisterschaft in Lünen 2005. Als Architekt kämpft man oft verzweifelt gegen die verschiedenen Weisstöne, die in einem Haus so verbaut werden. Nie gelingt es die Weisstöne zu vereinheitlichen, jeder Hersteller hat seine eigene Rezeptur und selbst genormte RAL Farben stimmen selten überein. Also habe ich dieses Thema in einen Entwurf sich überlagernder Wellen übernommen, verschiedene Tücher zusammengestellt und dazu weitere Eigenschaften wie Transluzens, Textur und Glanzgrad kombiniert. Auch die schwarzen CFK Rohre und Splittkappen wurden weiss lackiert.
Um den Effekt der unterschiedlichen Töne noch zu steigern wurde hinter den Edo ein flaches Segel aus Gaze gespannt, welches mit zusätzlichen Wellen appliziert ist. Sobald die Sonne von hinten in das Segel scheint sieht man die Schatten als weiteres Gestaltungselement im Drachen. Meines Wissen nach war dieser Drachen das erste Beispiel für ein Doppelsegel und für die Einbindung der Sonne beziehungsweise des Schattens in ein Drachendesign.
Am Abend des Wettbewerbs konnte ich einen Pokal für den schönsten Flachdrachen mit nach Hause nehmen.
Im Sommer des Jahres 2000 lag bei uns im örtlichen Spielwarengeschäft einen Flyer aus, dass für einen Drachendesignwettbewerb anlässlich des Artkite Festivals in Detmold warb. Ich hatte bis dahin noch kein großes Drachenfest besucht und auch noch keinen Edo Drachen gebaut. Aber die Idee, wie ich in der Sparte "Trompe-l'Œil" übersetzt "täusche das Auge" mitmachen könnte war bei einem Besuch des Barockgartens in Schwetzingen geboren. Ich wollte einen dreiteiligen Drachen bauen der aus einem umgreifenden Rahmen, einem Objekt als Mittelpunkt und einer Fläche als Hintergrund besteht. Nur aus Sicht des Piloten ist das Ensemble als Einheit zu erkennen, alle anderen Blickwinkel zeigen etwas anderes.
Mit der Naivität des absoluten Anfängers machte ich mich ans Werk und baute auf der Basis von Rainer Neuener´s Buch den Edo. Die Konstruktion des Rahmens und der Figur habe ich mit Sauls Eckverbindern realisiert. Die Figur im Zentrum ist einem Scherenschnitt von Henri Matisse entnommen.
Ich hatte bis dahin noch nie einen Edo geflogen und schon gar nicht als dreiteiliges Ensemble.
Wir sind als komplette Familie zum Drachenfest gefahren das bis heute immer wieder mal Gesprächsstoff ist. So ein irres und aufwändiges Fest hatten wir bisher noch nicht erlebt, und später auch nie wieder in dieser Größe. Am Wettbewerbstag ging alles drunter und drüber, die Leinen hatten sich im Gestänge verheddert und ein Flug war bei ruppigem Wind und Regen extrem schwierig. Trotzdem gelang es mir für einige Minuten den Drachen sauber in den Himmel zu stellen und ich konnte dafür den zweiten Preis in der Kategorie "Trompe-l'Œil" mit nach Hause nehmen.
Ich bin diesen Drachen über die Jahre sehr häufig geflogen, er war lange Zeit mein Erkennungszeichen. Viele Einladungen zu internationalen Drachenfesten waren in den Folgejahren damit verknüpft diesen Drachen mit zu bringen und vorzuführen.
Heinrich Hohmann
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© 2020 Heinrich Hohmann