Paint the sky - Malerei auf Spinnaker 
Fast alle modernen Drachen der westlichen Welt bedienen sich beim Segeldesign den Mitteln der Grafik. Einfarbige Flächen und Linien ohne jede Textur und Materialqualität werden auf den Segeln zu mehr oder minder komplizierten Bildern zusammen gesetzt. Die Technik der Applikation hat so im Laufe der letzten Jahre wahre Meister hervorgebracht.

Doch diese Ausrichtung des Designs ist eine Einschränkung, - mit den Mitteln der Malerei lassen sich ungleich differenziertere Entwürfe auf Drachenstoff umsetzen. Große Namen in der internationalen Drachenszene wie KiSa, Anke Sauer, Claudio Capelli, Robert Trepanier und Michel Gressier ist es scheinbar vorbehalten ihren malerischen Gestaltungswillen auf Stoff aus zu leben. Diese durchweg handwerklich und akademisch ausgebildeten Künstler mit Ihrem herausragenden Talent sollen hier nicht unser Vorbild sein, vielmehr wollen wir im Folgenden einige Beispiele und Techniken erläutern mit denen auch Anfänger und Laien ansprechende Ergebnisse erzielen können.

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Die Materialien

Die Skytex-Farben der Drachenmanufaktur Phönix  www.kitec.net  sind hochpigmentierte Lasuren auf Acrylbasis. Diese Produkte sind wässrig gelöst und daher in der Verarbeitung absolut unschädlich. Es werden die Grundfarben Rot, Blau, Gelb, sowie die Unfarben Schwarz und Farblos in Kunststoffflaschen zu je 100 m angeboten. Daraus lassen sich durch additive Mischung alle Farben des Farbkreises, sowie Ihre Aufhellungen und Abdunkelungen herstellen. Von einer Wasserverdünnung sollte man absehen, da die Verringerung des Bindemittelanteils eine schlechte Haftung auf dem Spinnaker mit sich bringen würde.

Die raue Oberfläche von hellen Chikarastoffen ist ein idealer Malgrund, sehr glatte Tücher wie Torray oder gar Polyestertücher sind nicht geeignet.

Zum Farbauftrag eignen sich alle hochwertigen Lasurpinsel in verschiedenen Breiten, je besser die Ausgangsmaterialien, desto kalkulierbarer die Ergebnisse.

Als weitere Hilfsmaterialien benötigt man Reinigungsbenzin, Malerkrepp, Tesafilm, Fotokarton oder dünne Graupappe sowie  Flüssiglatex, welches bequem und preiswert per Online Versand  zum Beispiel bei www.jalatex.de  zu beschaffen ist.

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 Übung Nummer 1
Soll die Gewöhnung an das Material, seine Trockenzeiten und Lasureigenschaften vermitteln. Dazu fixiert man ein faltenfreies  Stück weißes Chikara (ca. 40/60 cm) ohne Spannung, aber auch ohne Wellenbildung auf der Arbeitsunterlage. Mit einem benzingetränkten Wattepad wird die Oberfläche garantiert fettfrei, eine Voraussetzung für die gute Haftung und Haltbarkeit der Farbe. Aus Rot, Transparent und einer winzigen Menge Blau mischt man eine Lasur, die entlang einer geraden Freihandschablone aus Karton auf das Tuch aufgetragen wird. Die Pinselstriche sollen parallel nebeneinander ca. 4-5 cm lang sein.

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Dann wird die Schablone um 180 Grad gedreht und die Farbfläche zu einem Rechteck bzw. einem Trapez ergänzt. Die Pinselspuren sollten zu sehen sein, aber gleichzeitig soll die Farbfläche vollständig geschlossen sein. Jetzt wird die Farbe vorsichtig mit einem Föhn getrocknet.

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In weiteren Arbeitsgängen werden alle Arbeitsschritte widerholt, bis das Tuch vollständig bedeckt ist. Die verschiedenen Flächen dürfen sich auch gerne kreuzen und überlappen, das Prinzip der Lasur,- vom Hellen ins Dunkle lässt sich so gut erfahren und darstellen.
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Eine wunderbar lebendige Farbfläche ist entstanden.

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Übung Nummer 2

Soll das Selbstvertrauen und das Gefühl für einen freien und schwungvollen Pinselstrich stärken. Mit klarem Tesafilm klebt man ein Rechteck oder Polygon auf der Musterfläche ab. Dabei ist wichtig, dass der Klebestreifen nicht über den Stoff gespannt wird, sondern lose darauf abgelegt und danach gut festgedrückt wird. Wer schon einmal eine Segelmachernaht mit Tape  geklebt hat, weiß worauf es ankommt. Die Form wird noch zusätzlich mit Krepp und Zeitungspapier maskiert, damit alle umliegenden Stoffflächen abgedeckt sind.



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Mit einem hellen Farbton, Gelb oder Orange wird die gesamte Fläche gleichmäßig und mit geraden Pinselstrichen gefüllt. Wer üben will kann auch gerne einen Farbverlauf anlegen.


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Wenn diese Fläche gut abgetrocknet ist wird mit einer dunklen Kontrastfarbe eine freie Form, ein Kreisabschnitt, eine S-Kurve oder eine Parabel über den Hintergrund gelegt, dabei soll der Pinsel so trocken sein, dass die einzelnen Haare eine Spur auf dem Stoff hinterlassen. Wichtig ist, dass die Figur in einem Schwung durchgezogen wird, ganz ähnlich wie bei einer fernöstlichen Kalligraphie.

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Nach Entfernung der Maske wird eine abstrakte Komposition zu sehen sein, die sich hervorragend in ein monochromes Segel einfügen lässt.
 
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Übung Nummer 3                        

Wird durch einen  Abstecher in die Realistische Malerei und die Herstellung von Masken in beliebiger Form beherrscht. Mit Flüssiglatex wird der Umriss eines gedrehten Papierstreifens auf den Stoff aufgemalt. Als Vorlage dient eine Filzstiftzeichnung die unter den Stoff geschoben wird und dann durchscheint. Wichtig ist nur die Innenseite der Maske, außen kann nachlässig gearbeitet werden.

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Nach ausreichender Trocknung soll nun der Papierstreifen räumlich dargestellt werden. Im Bildbeispiel wird im dunklen Bereich begonnen und ins helle gearbeitet, es geht aber auch vom Hellen ins Dunkle.

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Mit jedem Farbauftrag wird die zu bearbeitende Fläche kleiner und spätestens nach 2-4 Arbeitsgängen wird die die Abbildung plastisch. 
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Nach kurzer Trocknungszeit kann die Latexmaske abgezogen werden. Solche Ergebnisse lassen sich mit einer Applikation einfach nicht erreichen.

Die Idee mit der Latexmaskierung stammt übrigens von Don Mock, einem dieser überaus liebenswürdigen Drachenbauer, die nicht nur Ihre Tricks bereitwillig preisgeben, sondern sich auch über die weitere Publikation für viele andere Drachenfreunde freuen
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Der nächste Schritt

Sollte von jedem Drachenbauer selbst gegangen werden. Es ist der Weg zu einem eigenständigen Design, das auf den erlernten Techniken basiert. Wir wollen daher im Folgenden keine weiteren Gestaltungsvorschläge in Form von Skizzen  oder Bildern aufzeigen.

Hier dennoch einige Ideen, die noch der Verwirklichung harren.

Wie wäre es einen vollkommen gespannten Drachen zu haben, auf dem „aus Versehen" eine fürchterliche Stofffalte zu sehen ist, vielleicht sogar ein Riss im Segel. Die fotorealistische Darstellung kann mit einer entsprechenden Bildvorlage leicht gelingen.

Ebenso kann man sich eine abstrakte Komposition aus vielfarbigen Einzelflächen vorstellen, die durch Überlagerung  einer kalligraphischen Struktur zusammengehalten wird. Dazu müsste man das Segel mit einer Vielzahl von Klebebändern abkleben, die dabei entstehenden Felder ausmalen und analog Übung 2 mit kryptischen Pinselstrichen überziehen.

Ideen gibt es viele, allein der Mut des Drachenbauers einen neuen Weg einzuschlagen kann Ergebnisse hervorbringen, die so noch nicht zu sehen waren. In diesem Sinne, let´s paint the sky.

 

Anmerkung des Autors:

Der Edo „Tapes", der hier als Beispiel für Malerei auf Spinnaker steht ist die Umsetzung einer freien Komposition aus Isolierbandstreifen. Die Idee dazu stammt von Charlotte Posenenke (1930-1985), Teilnehmerin der Documenta 12 im Sommer 2007 in Kassel.

 
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