Die Bäume wachsen doch in den Himmel



„Schön wäre auch ein ganzer Schwarm dieser edlen Tiere, -als Drachenbaum geflogen-, sicher ein lohnendes Gruppenprojekt“ war einer der Schlusssätze des Bauanleitungstextes für den Koi-Drachen im K & F 2/2007

Das haben sich Jo Maurer, seine Frau Susi und Tochter Ellen zu Herzen genommen und als Winter-Familien-Projekt in die Tat umgesetzt. Zunächst wurden im Internet geeignete Zuchtvorlagen der Koi gesucht, gefunden und auf die Drachensegel appliziert. Für den Anfang sollte ein Erstbesatz von sechs Koi ausreichen, die alle nach der oben erwähnten Anleitung erstellt wurden. Zur notwendigen Modifikation für den Einsatz im Drachenbaum später mehr.
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 Nun zur Beschreibung der Baumkonstruktion, ohne  die ein solch quirliger Schwarm nicht zu handeln ist. Das Prinzip ist einfach, sofern man einige grundsätzliche Regeln beachtet.
(Werner Backes  „Drachen kombinieren und verketten“, 1989 Ravensburger, S.110 ff)

Die Hauptschnur läuft vom Piloten bis zum obersten Drachen durch, dieser wird mit einer Bucht in die Schlaufe am Leinenende eingebunden. Zehn Meter weiter unten folgt der erste Abzweig, der sieben Meter lang ist und den nächsten Drachen einbindet. So geht das weiter bis der Schwarm vollständig ist. Diese Geometrie ist zwingend notwendig um Berührung der einzelnen Drachen untereinander zu verhindern.
 
  
  Der Clou ist jedoch die Ausbildung der Verzweigung. In die Hauptleine ist nach jeder Gabelung  ein Kugellagerwirbel eingesetzt.  Die Nebenleinen werden durch den geschweißten (gelöteten) Ring am Wirbel in die Hauptleine gefädelt und durch ein Polymer- Element (z.B. Gummiperle aus dem Anglerbedarf) vor dem Wirbel gestoppt.  Am vorliegenden Modell sind alle Verzweigungen als einzelne, gespleißte Elemente ausgeführt. Die verwendeten Schlüsselringe 10 mm, müssen so gewählt werden, dass nur ein Draht durch die Öse am Wirbel passt, um ein sichere Position zu gewährleisten. Es dürfen keinerlei Drähte, Wicklungen oder Haken hervorstehen. Nur so werden Verdrehungen im Stamm und Ast zuverlässig verhindert. Für den gezeigten Fischschwarm wurde als Hauptleine eine spleißbare Polyesterleine mit 50 daN und für die Seitenleinen eine mit 30 daN gewählt, die Kugellagerwirbel sind mit 4,5mm  ausgesucht. Das alles wird auf eine Spule von  ca. 20/4cm aufgewickelt, ohne dabei die Nebenleinen abzunehmen.


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Zum Start des Schwarms wird die Leine ganz ausgelegt und an beiden Enden mit Pins oder Bodenankern festgesteckt. Nachdem alle Drachen eingehängt sind, lässt ein Helfer den obersten Drachen in der Leine auf. Bei gutem Wind wird er die weiteren mit in den Himmel ziehen, ansonsten hilft ein Handstart des Folgedrachens, um genügend Zug für den Start der noch am Boden liegenden Drachen zu erzeugen. Nach kurzer Zeit sollten alle Drachen zusammen in der Luft sein und ein spektakuläres und lebhaftes Bild  am Himmel abgeben. Die Einzeldrachen zerren an der Hauptleine, reagieren aufeinander und geben einen realistischen Eindruck vom Leben im Karpfenteich wieder. Dank der Wirbel können sie sogar unter der Hauptleine durchkreuzen, aus dem Wind fallen und wieder recovern, ohne dass es zu Verdrillungen und Knotenbildungen kommt.

 
  
Hier nun sei der Trick verraten, warum die Karpfen so schön links und rechts der Leine stehen und nicht alle in die Mitte ziehen. An jedem zweiten Drachen wird die Schwanzflosse asymmetrisch verspannt, so dass der Drachen, als Einzelexemplar geflogen, in eine Richtung ziehen würde. Überflüssig zu sagen, dass die andere Hälfte des Schwarms genau umgekehrt eingestellt werden muss. Um diese Verspannung dauerhaft umzusetzen, sollte auf die bisher dargestellte Ausführung der Aufsteller verzichtet werden und die Spreizen in Taschen eingesetzt, sowie am Kreuzungspunkt eine zusätzliche Querstabfixierung angebracht werden, wie im Foto dargestellt.

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 Ein bisher einmaliges Projekt und Eyecatcher auf jedem Drachenfest, ist dem Familienworkshop der Maurers aus Bad Saulgau gelungen,- dafür nochmals der ganz besondere Dank des Autors. Die Bilder werden sicher auch den Weg nach Japan, ins Herkunftsland des Koi finden und den nunmehr 84- jährigen Erfinder des Originals erfreuen, dessen Anliegen nicht der Einzeldrachen, sondern schon von Anbeginn das Miteinander der ganzen Sealife Serie war.
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